Naturschutz-Akademie Hessen

Der Grasfrosch - Lurch des Jahres 2018


Die „Deutsche Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde (DGHT) e. V.‟ hat den Grasfrosch zum „Lurch des Jahres 2018‟ ausgerufen.
Der zu den Braunfröschen gehörende Grasfrosch ist eine noch recht häufig vorkommende Art und derzeit in seinem Bestand nicht gefährdet. Sein wissenschaftlicher Name ist Rana temporaria. Neben der bräunlichen Grundfärbung des Tieres ist ein dunkler Schläfenfleck ein charakteristisches Merkmal der Art. Mit einer Länge von 8 – 10 cm ist der Grasfrosch etwas kleiner als eine Erdkröte, wobei die Weibchen größer sind als die Männchen.

Das Verbreitungsgebiet der Grasfrösche ist sehr groß. So besiedeln sie Lebensräume im gesamten mitteleuropäischen Raum. Aber auch im nördlichen Spanien und Italien sind sie heimisch; ebenso in Skandinavien und in Teilen Osteuropas. Ihre vertikale Ausbreitung reicht vom Flachland über die Mittelgebirge bis zu Hochgebirgslagen in 2.500 m über NN (Jedicke).
Zum Laichen sind sie auf (meist stehende) Gewässer angewiesen, wobei nicht nur Seen, Teiche und Tümpel zur Eiablage verwendet werden, sondern auch Kleinstgewässer (etwa Wagenspuren und Pfützen), die nur zeitweilig Wasser führen.

Sommerlebensraum Erlenbruchwald

Grasfrösche gehören (wie auch die Erdkröten) zu den sog. Frühlaichern, die aufmerksame Naturfreunde/innen schon im Februar auf ihren Wanderungen zum Laichgewässer bzw. bei den Laichaktivitäten beobachten können. Ein auffälliges Merkmal sind ihre Laichballen, die sich meist in den Flachwasserbereichen befinden. Die Ballen können über 3.000 Eier enthalten, welche von einer gallertartigen Hülle umgeben sind. Die weitere Entwicklung des Laiches ist primär von der Temperatur abhängig. Nach etwa 3 Monaten ist dann die Umwandlung der Kaulquappen abgeschlossen und die Jungfrösche verlassen im Mai / Juni das Gewässer (Blab/Vogel).

Laichballen

Die Landlebensräume des Grasfrosches sind vorwiegend Laub- und Mischwälder in nicht allzu weiter Entfernung vom Gewässer. In Hessen sind dies häufig Buchenwälder. Aber auch Bruchwälder, Wiesen, Hecken, Waldränder und naturnahe Gärten werden besiedelt. In diesen Biotopen finden die Amphibien Deckung und Nahrung. Letztere besteht hauptsächlich aus Würmern, Schnecken und diversen Insekten- und Spinnenarten, die sie meist in der Nacht erbeuten. Natürlich sind Grasfrösche ihrerseits auch wieder Nahrung für andere Tiere, und zwar in allen Entwicklungsstadien. Zu den Feinden der adulten Tiere zählen etwa Tag- und Nachtgreifvögel, Störche, Graureiher, Wildschweine, Füchse, Iltisse oder auch Ringelnattern, um nur einige zu nennen. Eier und Kaulquappen werden u. a. von Enten, Fischen oder auch von Libellenlarven verzehrt.

Ab Oktober / November ziehen sich die Grasfrösche in ihre Überwinterungsquartiere zurück. Dies können geschützte Verstecke im Boden sein oder auch der Schlick am Grund von Gewässern.

Laichgewässer

Auch wenn der Grasfrosch, wie eingangs erwähnt, zur Zeit in seinem Bestand nicht akut bedroht ist, so muss doch immer auch eine potenzielle Gefährdung der Art bedacht werden. Ursachen dafür liegen vor allem in der Zerstörung oder Beeinträchtigung der Lebensräume z. B. durch intensive Landwirtschaft (Flächenbedarf und Ausbringung schädlicher Stoffe), durch Straßen- und Siedlungsbau (Zerschneidung der Wanderwege) und durch Trockenlegung von Feuchtbiotopen. Sehr viele Grasfrösche werden auch zu Verkehrsopfern bei ihren jährlichen Wanderungen zum Laichgewässer und wieder zurück.

Grasfroschpaar auf dem Weg zum Laichgewässer

In einem alten Kinderlied heißt es:

„Heut ist ein Fest bei den Fröschen am See,
Ball und Konzert und ein großes Diner.
Quak, quak, quak, quak, quak, quak, quak, quak!‟


Wir alle sollten am Schutz unserer Grasfrösche interessiert sein, damit diese noch lange „ihr Fest am See‟ feiern können.

Literatur

Blab, J. & Vogel, H. 1989
Amphibien und Reptilien
BLV, München

Jedicke, E. 1990
Amphibien – Ökologie, Gefährdung, Schutz
Ravensburg: Maier

DGHT-Grasfroschbroschüre


Text und Fotos © Hubertus Schwarzentraub