Naturschutz-Akademie Hessen

Jäger auf leisen Sohlen


Verborgen in unseren Wäldern leben zwei heimliche Jäger, beide sind Katzen und beide sind sehr selten. Auch sind sie beide sehr effiziente Beutegreifer. Es gibt aber auch Unterschiede, so ist die eine eher klein, die andere relativ groß. Natürlich haben Sie es längst erkannt - wir reden hier über die Wildkatze und den Luchs.

Beide Katzenarten leben gerne in ausgedehnten, ruhigen Wäldern. Dies können Laub-, Misch- oder auch reine Nadelholzwälder sein. Höhlenbäume, Felsnischen und Totholz sind das geeignete Inventar dieser Wälder, um die Jungen aufzuziehen oder sich zu verstecken.

Geeigneter Lebensraum für die Katzen

In Hessen gibt es mehrere dieser Lebensräume, die zumindest auch potenziell geeignet sind. Zu erwähnen wären hier der Reinhardswald, der Kaufunger Wald und der Kellerwald in Nordhessen. Aber auch der Westerwald, der Vogelsberg, der Spessart, der Taunus und der Rheingau in Mittel- bzw. Südhessen gehören dazu.

Auch Nadelwälder sind geeignete Biotope

Ein sehr großes Problem für beide Arten ist die Zerschneidung ihrer Biotope durch Straßen, wodurch Wanderungen erschwert werden oder auch gar nicht erst möglich sind. Hinzu kommen natürlich noch die Opfer durch den Verkehr.

Luchse sind recht stattliche Katzen mit einem Körpergewicht von 20 – 35 kg, wobei die männlichen Tiere (Kuder) deutlich größer und schwerer sind. Typisch sind die meist gefleckte Fellzeichnung, die Pinselohren und der Stummelschwanz. Luchse können mit keiner anderen Art verwechselt werden. Ausgestattet sind sie mit hervorragenden Sinnen. Redewendungen wie „Augen oder Ohren wie ein Luchs‟ oder „passt auf wie ein Luchs‟ sprechen für sich.

Luchs

Luchse sind Einzelgänger, sie jagen vorwiegend in der Dämmerung oder nachts, wobei sie sich an ihre Beute anschleichen. Diese Beutetiere sind Rehe, junge Hirsche und junge Wildschweine oder auch Hasen und Kaninchen. Für den Menschen sind die schönen Katzen völlig ungefährlich.

Rehe jagt der Luchs mit Vorliebe

Im Jahr 2018 hat das „Bundesamt für Naturschutz‟ eine Bestandszahl von 77 in Deutschland lebenden Tieren veröffentlicht. Leider hat die eh recht kleine Luchspopulation in Hessen in den beiden letzten Jahren (2017/2018) einen schweren Rückschlag hinnehmen müssen, weil einige Tiere an der Räude erkrankt waren und verendet sind.
Noch drastischer ist übrigens die Situation bei einem südeuropäischen Verwandten, dem Pardelluchs (Iberischer Luchs). Eine Restpopulation von nur noch 100 – 150 Individuen machen ihn zur seltensten Katze der Erde - ein trauriger Rekord!

Mit einem Körpergewicht von 2,5 – 7 kg ist die Europäische Wildkatze deutlich kleiner als ein Luchs. Auch bei ihr sind die Kuder größer als die weiblichen Tiere. Ihr Fell ist grau und ihr buschiger Schwanz weist dunkle Ringe (1 – 3) am stumpfen Ende auf. Bei ihr ist die Verwechslung mit einer grau getigerten Hauskatze durchaus möglich.

Europäische Wildkatze

Auch die Wildkatzen besitzen ausgezeichnete Sinnesorgane, wodurch sie zu perfekten Jägern werden. Sie sind Einzelgänger und in der Regel dämmerungs- und nachtaktiv (nur in ganz ungestörten Gebieten sind sie auch einmal tagsüber unterwegs). Ihre Hauptbeute sind Mäuse, denen sie im Wald, im Bereich der Waldränder oder auch auf angrenzenden Freiflächen nachstellt.

Hauptbeute der Wildkatze

Natürliche Feinde der Wildkatzen sind Luchs und Wolf (für Jungtiere auch der Uhu). Hinzu kommen wildernde Haushunde und Abschüsse. Ein weiteres Problem ist die Hybridisierung der Bestände durch die Vermischung mit Hauskatzen. Die hier beschriebene Europäische Wildkatze ist übrigens nicht die Stammform unserer Hauskatze. Diese stammt von der – schon vor 10.000 Jahren domestizierten – Libyschen Falbkatze ab.

Literatur:

Festetics, A. et al, 1978
Der Luchs in Europa
Kilda Verlag, Greven

Grimmberger, E. 2014
Die Säugetiere Deutschlands
Quelle & Meyer Verlag, Wiebelsheim

Text und Fotos © Hubertus Schwarzentraub