Naturschutz-Akademie Hessen

Kleingewässer - Perlen in der Natur


Wir alle kennen die große Bedeutung unserer Gewässer für den Haushalt der Natur. Dabei denken wir zunächst vielleicht an größere Still- oder auch Fließgewässer wie Seen und Flüsse. Aus ökologischer Sicht sind aber gerade auch die unzähligen Klein- und Kleinstgewässer besonders wichtig und erhaltenswert.
Zu den Kleingewässern zählen Teiche, Weiher, Tümpel und sogar mit Wasser gefüllte Wagenspuren. Auch unsere Gartenteiche gehören dazu. Während Weiher und Teiche in der Regel ganzjährig Wasser führen, können Tümpel und andere Kleinstgewässer temporär trocken fallen.

Mit Wasser gefüllte Wagenspur

Von der Definition her sind Weiher übrigens natürlich entstandene Gewässer, während Teiche künstlich von Menschenhand angelegt worden sind. Dies schmälert bei letzteren jedoch keineswegs ihren ökologischen Wert, sofern nicht gerade eine intensive Fischwirtschaft betrieben wird. Von einem See unterscheidet sich ein Weiher durch seine geringere Tiefe (unter 2 Meter). Sein Grund ist meist mit Pflanzen bewachsen (bei einem See sind es nur die ufernahen Bereiche) und seine Größe erreicht in der Regel nicht die Ausmaße eines Sees.

Kleingewässer zählen zu den artenreichsten Biotopen unserer heimischen Natur! Zahlreiche Tierarten aus den Gruppen der Amphibien, Reptilien, Vögel, Mollusken und Insekten sind gerade auf diese kleinen Gewässer angewiesen. Hier finden sie Nahrung und die Möglichkeit zur Fortpflanzung. Während einige Arten sich immer in den Gewässern aufhalten, nutzen andere sie vorwiegend in bestimmten Entwicklungsphasen (z. B. Lurche und Libellen).

Gebänderte Prachtlibelle

Wir alle kennen die jährliche Wanderung der Frösche, Kröten und Molche zu den Laichgewässern. Auch wenn einige Arten die meiste Zeit des Jahres fernab von ihrem Laichgewässer leben, so sind sie bei der Fortpflanzung unbedingt auf dieses angewiesen. Dies gilt auch für Libellen und Köcherfliegen, die ihr Larvenstadium im Wasser verbringen.
Weitere, an die (Klein-)Gewässer gebundene Arten, sind Gelbrandkäfer, Spitzschlammschnecke, Kleinkrebse, Würmer und viele andere Organismen.

Grünfrosch in einem Gartenteich

Spritzschlammschnecken

Auffällige Besucher unserer Kleingewässer kommen aus der Vogelwelt. Vom eindrucksvollen Graureiher über diverse Entenarten und Rallen bis hin zu den kleinen Rohrsängern und dem schillernden Eisvogel erstreckt sich die Palette.

Aber auch Reptilien treffen wir an. So jagt die Ringelnatter (übrigens ein ausgezeichneter Schwimmer) sehr gerne im Bereich der Gewässer.

Juvenile Ringelnatter

Die Pflanzenwelt ist natürlich mit den typischen Arten vertreten, die man im Bereich dieser Biotope erwartet. Erlen, Weiden und auch Sträucher bilden die Begleitvegetation der Ufer, während in den Röhrichtgürteln häufig Schilf und Rohrkolben dominieren. Hinzu kommen weitere Arten, etwa Sumpfschwertlilie, Blutweiderich, Mädesüß und auch Binsen und Seggen.
Im Wasser selbst wachsen Krebsschere, Laichkraut, Froschbiss, Seerosen und andere.

Mädesüß und Blutweiderich

Seerose

Leider sind in den zurückliegenden Jahren sehr viele dieser wertvollen Kleingewässer zerstört worden, etwa um Hindernisse bei der maschinellen Bewirtschaftung in der Feldflur auszuräumen. Andere Gründe sind der Flächenbedarf für Straßenbau und Siedlungserweiterung oder auch das Verfüllen mit Bauschutt. Mitunter erfolgte die Zerstörung dieser Kleinbiotope aber auch, um Brutstätten von Stechmücken zu beseitigen.

Auf der anderen Seite wurden Kleingewässer von vielen örtlichen Naturschutzgruppen aber auch wieder künstlich angelegt. Hinzu kommen die zahlreich entstandenen Gartenteiche als zentrale Elemente naturnaher Gärten. Kleingewässer kommen in unterschiedlichen Ausprägungen vor und verfügen über eine große Artenvielfalt. Für eine intakte Natur sind sie unverzichtbar!

Literatur

Jedicke, E. 1988
Kleingewässer: Teiche, Tümpel, Weiher
Otto Maier Buchverlag, Ravensburg

Rogner, M. 1989
Treffpunkt Gartenteich
Kosmos-Naturführer, Stuttgart

Text und Fotos © Hubertus Schwarzentraub