Naturschutz-Akademie Hessen

Lebensraum Brachland

Leider sind die Begriffe „Brachland‟ oder auch „Ödland‟ heute noch vielfach negativ besetzt. Dies mag wohl einerseits historische Gründe haben, weil durch die Aufgabe der landwirtschaftlichen Nutzung Versorgungsengpässe befürchtet wurden. Heute stören sich einige Menschen möglicherweise an der „wilden Unordnung‟, die sie mit Brachflächen verbinden. Wo Disteln, Brennnesseln und Gestrüpp wachsen, wird bei dem ein oder anderen Mitbürger das ästhetische Empfinden gestört.

Die Gründe für die Entstehung von Brachland sind vielfältig. Natürlich ist immer die Aufgabe der bisherigen (meist landwirtschaftlichen) Nutzung dafür verantwortlich, was aber diverse Ursachen haben kann. So sind in einigen Regionen Flächen durch einen Strukturwandel in der ländlichen Bevölkerung brach gefallen. Insbesondere haben Kleinbauern die landwirtschaftliche Nutzung aufgegeben, weil sich andere berufliche Perspektiven eröffneten. Gemeinhin steht dafür der Begriff „Sozialbrache‟.
Aber auch standortbedingte Gründe sind hier zu nennen. So war zum Beispiel die Bewirtschaftung flachgründiger (nährstoffarmer) Böden nicht mehr rentabel. Hinzu kam, dass etwa steile Hanglagen sich für den zunehmenden Maschineneinsatz nicht mehr eigneten.
Schließlich seien noch Brachflächen erwähnt, die durch Eingriffe in die Natur entstanden sind, z. B. durch den Straßenbau, durch Steinbrüche oder auch durch die Anlage von Erddeponien.

Heute sind Brachflächen wichtige Rückzugsgebiete für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten. Sie sind wertvolle Biotope in einer oftmals ausgeräumten Feldflur. Brachen werden auch nicht durch den Einsatz von Düngern oder Bioziden belastet und auch ein Maschineneinsatz findet in der Regel nicht statt. Im Zusammenspiel mit Feldgehölzen, Hecken und Wegrändern tragen Sie zur Biotopvernetzung bei.

Besenheide

Auf Brachland können verschiedene Biotoptypen vorkommen. Beispiele sind Dünen im Binnenland, Trockenrasen, Hochstaudenfluren, Seggenriede und Zwergstrauchheiden.

Die Lebensraumqualität von Brachländereien wird durch sogenannte Biotopstrukturen noch weiter optimiert. Dazu zählen Steinhaufen, Kleinstgewässer, Totholz und auch vegetationslose Bereiche.

Biotopstrukturen

Aus dem Pflanzenreich finden sich meist typische Arten ein, die man auf den Brachflächen auch erwartet. In Abhängigkeit vom Standort sind dies häufig Distelarten, die Große Brennnessel, der Rainfarn, Besenginster und etliche Wildblumen und - kräuter. Auch Raritäten, wie Orchideen, können vorkommen.

Besenginsterblüte

Bei den Tierarten treffen wir meist auf Vertreter der Insekten (häufig sind es Schmetterlinge). Aber auch Reptilien, Amphibien, Kleinsäuger und Vögel finden auf den Brachflächen geeignete Lebensräume.

Distelfalter

Gefleckter Schmalbock

Schwebefliege

Brachen sind allerdings auch "Biotope auf Zeit", die sich durch die Sukzessionsabfolge verändern werden. Sofern man diese Abläufe sich selbst überlässt und nicht eingreift, wird sich irgendwann die Klimaxgesellschaft einstellen, meistens ist dies der Wald.

Mit entsprechenden Pflegemaßnahmen, etwa einer Mahd oder einer Beweidung mit geeigneten Rassen, kann man gegensteuern und diese wertvollen Lebensräume erhalten.

Lebensraum Brachland

Literatur:

Faust, B. & Hutter, C.P 1988
Wunderland am Wegesrand
Thienemann, Stuttgart - Wien

Jedicke, E. 1989
Brachland als Lebensraum
Ravensburger Buchverlag Otto Maier GmbH, Augsburg



Text und Fotos © Hubertus Schwarzentraub