Naturschutz-Akademie Hessen

Vogelschutz im Garten

Vogelschutz im Garten

… reduziert sich bei vielen Gartenbesitzern auf die Fütterung im Winter und das Aufhängen von Nistkästen. Gerade aber als Besitzer eines Gartens können wir unseren Gefiederten weitaus mehr bieten und ihre Lebensbedingungen deutlich verbessern. Dies alles hat viel mit einer naturnahen Gartengestaltung zu tun, um die es im Folgenden geht.

Blumenwiese statt Einheitsrasen

Der häufig geschnittene und kurz gehaltene „Sport- oder Spielrasen“ ist sehr artenarm. Dies bezieht sich nicht nur auf die vorkommenden Pflanzen, sondern auch auf die Tier-(Insekten)welt. Für unsere Vögel ist solch ein Rasen ausgesprochen unattraktiv, weil er kaum Nahrung bietet. Besser ist daher die Anlage einer Blumenwiese, die nur selten gemäht wird und so zahlreiche Insektenarten und andere Kleintiere anlockt. Wer nicht seinen gesamten Rasen „opfern“ möchte, kann überlegen, ob nicht Teilbereiche zu einer Wildwiese umgewandelt werden können. Alternativ kann sogar ein vorhandener Rasen durch eine Verlängerung der Schnittintervalle einen wiesenartigen Charakter entwickeln (zumindest zeitweise). So kommen Gänseblümchen, Löwenzahn, Wegerich und andere Arten zum Blühen und werden für Insekten interessant.

Einheimische Pflanzen statt Exoten

Häufig beherbergen unsere Gärten zahlreiche Pflanzen, die natürlicherweise nicht bei uns wachsen würden. Sei es nun „Zuckerhutfichte“, „Roter Fächerahorn“ oder „Pampasgras“ – unseren Gartenvögeln und auch der sonstigen Tierwelt können diese Exoten nicht viel bieten. Über sehr lange Zeiträume konnten sich bei uns Lebensgemeinschaften aus Pflanzen und Tieren entwickeln, die voneinander abhängen und in engen Beziehungen zueinander stehen. Auf einer alten Eiche können mehrere Hundert Tierarten leben, über 200 Insektenarten beherbergt eine Salweide und in einheimischen Hecken wurden mehr als 900 verschiedene Tierarten nachgewiesen. Eine solche Artenvielfalt stellt eine wichtige Nahrungsgrundlage für unsere Vogelwelt dar. Zudem bieten Bäume und Sträucher Deckungsmöglichkeiten, Brutraum und Singwarten. Im Naturgarten sollten also primär einheimische Arten Verwendung finden. Natürlich begrenzt ein kleinerer Garten die Auswahl, es gibt aber auch dafür geeignete Bäume und Sträucher.

Höhlenbäume

Insbesondere die alten Obstbäume (Hochstämme) haben oft Stamm- und Asthöhlen und somit ideale Bruträume für Höhlenbrüter (Meisen, Spechte, Stare …). Darüber hinaus bieten solche natürlichen Höhlen auch vielen anderen Tierarten Brutraum und Schutzquartiere (Hornissen, Fledermäuse, Bilche …). Wo keine natürlichen Baumhöhlen vorhanden sind, lassen sich künstliche Nisthöhlen aufhängen. Diese kann man kaufen oder auch selbst bauen.

Wasser

Ohne Wasser kein Leben! Natürlich trifft dies auch auf unsere Gartenvögel zu, die nicht nur ihren Durst stillen müssen, sondern auch gerne ein Bad nehmen. In den Siedlungsbereichen sind viele Flächen versiegelt, so dass das Oberflächenwasser schnell abgeleitet wird. Pfützen oder andere temporäre Kleinstgewässer können sich kaum bilden. Im eigenen Garten haben wir die Möglichkeit zu helfen. Ein natürlich angelegter Gartenteich mit Flachwasserbereichen wird von vielen Vögeln gerne aufgesucht. Wenn die Teichanlage nicht möglich ist, bieten sich auch künstliche Vogeltränken an.

Weitere hilfreiche Naturgartenelemente

Fachleute im Naturschutz nennen sie „Biotopstrukturen“ oder auch „Sonderstrukturen“. Damit sind Kleinstlebensräume gemeint, etwa Totholz, ein Steinhaufen, Pfützen oder auch vegetationslose Bereiche, die wir im Garten belassen sollten, bzw. auch neu anlegen können. Diese Elemente helfen unseren Gartenvögeln auf vielfältige Weise, etwa bei der Nahrungssuche, bei der Brut, bei der Gefiederpflege oder auch als Verstecke.

Übrigens – ein Naturgarten hilft nicht nur unserer Vogelwelt, sondern auch vielen Tierarten aus anderen Gruppen!

Weiterführende Links:

Fotos: Hubertus Schwarzentraub