Naturschutz-Akademie Hessen

Waldwende (1) - die Folgen des Klimawandels


Der Klimawandel ist in aller Munde und medial höchst präsent. Auch in Deutschland erleben wir nun extreme Sommertemperaturen und vermehrt Dürreperioden, was wir früher nur aus dem mediterranen Raum oder von anderen Kontinenten kannten. Diese Entwicklung hat massiven Einfluss auf unsere Lebensräume, wobei die Wälder besonders betroffen sind.
Insbesondere die Jahre 2018 und 2019 haben sichtbare Spuren in unseren Wäldern hinterlassen, die auch in den kommenden Jahren noch nachwirken werden. Es sind weniger die extremen Temperaturen, die den Bäumen zu schaffen machen, als vielmehr der drastische Wassermangel, der zumindest auch im Winter 2018/19 nicht kompensiert werden konnte. Die Folgen sind für alle sichtbar, wobei die verschiedenen Baumarten unterschiedlich reagieren. Insgesamt können wir von einer Destabilisierung von Waldökosystemen ausgehen.

Das Ende eines Fichtenwaldes

Besonders betroffen ist die Fichte, eine Baumart, die natürlicherweise in Hessen nicht vorkommen würde. Ganze Bestände werden durch die Borkenkäfer (Buchdrucker und Kupferstecher) vernichtet.

Schäden durch Borkenkäfer an Fichten

Fraßbild Buchdrucker-Larven

Den Rest erledigen heftige Stürme, die meist im Winter auftreten. Daher erscheint es zweifelhaft, ob die Fichte auch in der Zukunft noch in den hessischen Wäldern vertreten sein wird. Zumindest wird sich ihr Anteil deutlich reduzieren. Nun rächt sich der Anbau des Baumes in Monokulturen. Der einstige „Brotbaum‟ der Forstwirtschaft stirbt durch biotische und abiotische Faktoren großflächig ab. Das gewaltige Schadholzaufkommen hat den Preis für Fichtenholz ins Bodenlose fallen lassen, insbesondere für Privatwaldbesitzer ein riesiger finanzieller Verlust.

Ein Sturmopfer - Rotbuche

Geschwächt sind aber auch unsere Buchenwälder. Zunehmend erkennbar sind Trocknisschäden. Auch die in den letzten Jahren vermehrt auftretenden Fruktifikationen, welche die Bäume stark beanspruchen und schwächen, geben Hinweise darauf. Ein geschwächter Baum ist wiederum sehr viel anfälliger für sekundäre Schadorganismen. Pilze und Insekten sind hier zu nennen. Die "Nordwestdeutsche Forstliche Versuchsanstalt" nennt aktuell eine Zahl von 13 % geschädigter Buchen in Hessen - Tendenz steigend.

Fruktifizierende Rotbuche

Natürlich bleiben auch die Eichen nicht verschont. Stark betroffen sind etwa die Stieleichen im Rhein-Main-Gebiet, die ja schon seit Jahren mit der Grundwasserabsenkung zu kämpfen haben. Nun kommt die zusätzliche Belastung durch den Klimawandel hinzu. Dazu forschen bereits seit zehn Jahren Wissenschaftler des "South Hesse Oak Projekt" von der Goethe Universität Frankfurt. Derzeit laufen vielversprechende Versuche mit alternativen Baumarten, etwa der aus dem Mittelmeerraum stammenden Flaumeiche. In anderen Teilen von Hessen könnte die nordamerikanische Roteiche eine Lösung sein.

In Abhängigkeit vom jeweiligen Standort werden die Wälder von morgen sehr wahrscheinlich auch mit Arten vertreten sein, die heute noch eine Nebenrolle spielen. Folgende Baumarten gelten dabei als sehr resistent gegenüber Trockenheit: Hainbuche, Spitzahorn, Feldahorn, Vogelkirsche, Elsbeere, Hängebirke, Winter- und Sommerlinde, Walnussbaum, die Europäische Lärche und auch die Waldkiefer. Überwiegend sind es also Laubbäume.

Dem Mischwald gehört die Zukunft

Die neu entstandenen Kahlflächen (etwa durch den Abgang der Fichtenwälder) böten natürlich auch Chancen. So wäre es durchaus denkbar, nicht gleich wieder alles aufzuforsten, sondern der Natur in Teilbereichen ihren Lauf zu lassen. Über die Sukzession würden dann vermutlich naturnahe, standortgerechte und stabile Mischwaldgesellschaften entstehen.

Dann hätten wir tatsächlich eine Waldwende und vielleicht auch eine Lösung, um den Klimawandel zu bewältigen. Im Interesse unserer hessischen Wälder sollte dies zumindest einen Versuch wert sein.

Text und Fotos © Hubertus Schwarzentraub