Naturschutz-Akademie Hessen

Wilde Früchtchen ...


… reifen nun zunehmend in der Natur und erfreuen uns durch ihre Farben- und Formenvielfalt und je nach Art auch durch ihren feinen Geschmack! Die Rede ist von unseren einheimischen Strauch- und Baumfrüchten, die ab August bis in den Herbst hinein wachsen.

Schlehen (Früchte des Schwarzdorns)

Es sind vor allem die Sträucher, mit ihren roten, blauen und schwarzen Früchten, die wir nun in der Natur bemerken. Etwa 50 einheimische Arten werden zu den Sträuchern gerechnet. Fast alle von ihnen sind ausgesprochen lichtbedürftig, weshalb sie nicht in den Innenbereichen der Wälder vorkommen. Ihre Standorte sind vielmehr die Waldränder und das Offenland, wo sie in Hecken und Feldgehölzen wachsen.

Hagebutten

Wir alle kennen natürlich Him- und Brombeere, die zu sehr aromatischen Konfitüren verarbeitet werden können. Aus dem Fruchtsaft der Holunderfrüchte (Schwarzer Holunder) kann man Gelee herstellen und auch die Haselnüsse können in der Küche landen, sofern man bei der Ernte schneller ist als die Eichhörnchen.

Brombeeren

Den Bäumen und Sträuchern geht es bei der Ausbildung von Früchten natürlich nur um die Verbreitung der jeweiligen Art. Deshalb müssen die Früchte vor allem für Tiere von Interesse sein. Mit auffälligen Farben und der Aussicht auf eine gut schmeckende Mahlzeit werden so die potenziellen Samenverbreiter angelockt. Nicht umsonst werden die Früchte der Eberesche etwa „Vogelbeeren‟ genannt und auch der Eichelhäher trägt seinen Namen aus gutem Grund.

Vogelbeeren

Die Pflanzen verfügen ja über unterschiedliche Strategien bei der Verbreitung ihrer Samen. So werden leichte und (oder) flugfähige Samen durch den Wind verbreitet. Bei schweren Früchten sind aber die Pflanzen bei der Verbreitung auf Tiere angewiesen. Denken wir dabei nur an Eicheln, Bucheckern und Kastanien oder auch an die bereits genannten Haselnüsse und Vogelbeeren. Eichelhäher, Mäuse und auch Eichhörnchen legen sich zahlreiche Nahrungsvorräte für den Winter an und vergraben diverse Baum- und Strauchfrüchte. Allerdings werden nicht alle jener Lager wieder gefunden, so dass viele Samen dann weit ab von der Mutterpflanze keimen können, was von Vorteil ist.

Stiel- (links) und Traubeneichenfrüchte

Wir erkennen hier also eine klassische „Win-Win-Situation‟: Für viele Tierarten sind die zahlreichen Früchte eine unverzichtbare Nahrungsquelle und die Pflanzen können sich weiter ausbreiten und verjüngen.

Tierische Früchteliebhaber

Neben den bereits angesprochenen Strauch-Arten seien hier noch Schwarz- und Weißdorn, Traubenholunder, Gemeiner Schneeball, Schneebeere, Hartriegel oder auch Kornelkirsche und Faulbaum stellvertretend genannt. Bei den Bäumen sind noch Mehlbeere, Elsbeere, Walnuss und die Wildobstarten zu nennen, die eine auffällige Fruchtbildung zeigen.
Nach einer sehr üppigen Blüte im Frühjahr ist bei der Rotbuche in diesem Jahr (2018) wieder mit einer Mast (Ausbildung vieler Bucheckern) zu rechnen. Dieses Phänomen zeigte sich früher etwa alle 5 – 7 Jahre. Heute sind die Intervalle kürzer (etwa alle 2 – 3 Jahre), wofür die Klimaveränderung verantwortlich gemacht wird. Für die Buchen ist diese häufige Fruktifikation durchaus eine Belastung und kann zur Schwächung der Bäume führen, die dann anfälliger gegenüber pathogenen Organismen werden können.

Auf der anderen Seite bieten solche Mastjahre natürlich auch immer die Möglichkeit zur natürlichen Verjüngung der Buchenwälder. Überdies nutzen viele Tierarten das reichhaltige Nahrungsangebot im Herbst sehr gerne. Neben Vögeln und Kleinsäugern werden insbesondere auch Wildschweine ihren Speiseplan durch die „wilden Früchtchen‟ ergänzen.


Literatur

Amann, G. 1984
Bäume und Sträucher des Waldes
Neumann-Neudamm KG, Melsungen

Hecker, U. 2008
Bäume und Sträucher
BLV, München


Text und Fotos © Hubertus Schwarzentraub