Naturschutz-Akademie Hessen

Das Busch-Windröschen

Busch-Windröschen

ein Überlebenskünstler im Buchenwald

März 2021
Jetzt im März ist es wieder soweit. In unseren hessischen Buchenwäldern erscheinen die Frühblüher am Waldboden. Ein recht häufiger Vertreter dieser früh im Jahr blühenden Pflanzen ist das Busch-Windröschen, welches den wissenschaftlichen Namen Anemone nemorosa trägt.

Die etwa 5 – 30 cm hohe Pflanze ist in Buchen-, sonstigen Laub- und Mischwäldern weit verbreitet. Man findet sie auch im Bereich von Waldrändern und in Hecken bis in Höhen von etwa 1900 m. An seinen relativ großen Blüten ist das Busch-Windröschen in den kahlen Laubwäldern gut zu erkennen. Diese Blüten sind weiß bis leicht rötlich gefärbt und haben meist 6 Perigonblätter. Die Staubfäden im Zentrum der Blüte sind weiß, die Staubbeutel sind gelb. Mitunter finden sich regelrechte Blütenteppiche auf dem Waldboden. Es gibt übrigens noch eine verwandte Art, das Gelbe Windröschen (Anemone ranunculoides). Dieses hat jedoch höhere Standortansprüche und kommt wesentlich seltener vor.

Busch-Windröschen: Blüte

Das Busch-Windröschen, aus der Familie der Hahnenfußgewächse, zählt zu den sog. Geophyten (Erdpflanzen). Dies sind mehrjährige krautige Pflanzen, die unterirdische Speicherorgane ausbilden, in diesem Fall sind es Rhizome. Demnach handelt es sich hier um ein Rhizom-Geophyt. Andere bekannte Speicherorgane sind etwa Knollen oder Zwiebeln.

Blüte mit Besuchern

Neben dem Busch-Windröschen gibt es weitere Frühblüher in unseren Wäldern. Beispielhaft seien hier Scharbockskraut, Hohler Lerchensporn, Märzveilchen, Huflattich und Bärlauch genannt. Sie alle sind ökologische Spezialisten, die ihren Blüh- und Entwicklungszyklus in einem relativ engen Zeitfenster durchlaufen. Gerade in unseren Buchenwäldern kann die Sonne nur im März und April genügend Licht spenden, damit es für die Entwicklung der Frühblüher ausreicht. Auch der Waldboden kann sich nun ausreichend erwärmen, um die Vegetationsphase dieser Spezialisten anzuschieben. Spätestens im Mai verwandeln die austreibenden Buchen mit ihren dichten Kronen den Waldboden in ein „Schattenreich‟. Kaum eine Pflanze kann sich dort gegen die sehr dominanten Buchen behaupten.

Licht und Schatten im Buchenwald

Weitere Frühblüher im Buchenwald

Der gesamte Lebenszyklus des Busch-Windröschens findet in dem genannten Zeitfenster statt, wo die Blüten massenhaft Pollen produzieren, um Insekten anzulocken, welche dann die Bestäubung erledigen. Danach entwickeln sich die kleinen Samen der Pflanze. Es sind Nussfrüchte, die eine geniale Besonderheit aufweisen. Sie verfügen über ein Anhängsel, welches als „Elaiosom‟ bezeichnet wird. Dieses Elaiosom lockt Ameisen an, die das Anhängsel verzehren und dabei die Früchte der Pflanze verbreiten.

Waldameisen verbreiten die Früchte

Für den Menschen sind alle Teile der Blume giftig. Hautkontakt kann zu Entzündungen führen und bei einer Aufnahme durch den Mund ist mit Erbrechen und Durchfall zu rechnen.

Für Insekten ist das Busch-Windröschen eine wichtige Pflanze, die schon sehr früh im Jahr Nahrung bietet.

Naturfreunde*innen erfreuen sich nach langen Winterwochen an der Blüte des Busch-Windröschens, sozusagen als ein erster Frühjahrsgruß in unseren (Buchen-)Wäldern.

Blüten bieten Nahrung für Insekten


Literatur:

Amann, G. 1994
Bodenpflanzen des Waldes
Weltbild Verlag GmbH, Augsburg

Lüder, R. 2011
Grundkurs Pflanzenbestimmung
Quelle & Meyer Verlag, Wiebelsheim

Text und Fotos © Hubertus Schwarzentraub